— 203—
Er, welcher ſein ganzes Leben lang thätig geweſen, er ſollte jetzt zur Unthätigkeit verdammt ſein, er, wel⸗ cher immer für Andere gearbeitet hatte, er ſollte jetzt die Hände müßig in den Schoß legen, und Andere für ſich arbeiten laſſen. Wodurch denn hatte er dieſe Qual verdient, was hatte er denn verſchuldet, daß er, welcher ſtets ehrlich geſtrebt und gearbeitet, zu Grunde gehen mußte, während Andere, welche ſich reich ge⸗ macht durch Betrug und Lüge, durch Liſt und Bos⸗ heit, während dieſe im Glanz ihrer Equipagen, und umrauſcht von Reichthum und Pracht durch die Stra⸗ ßen fuhren, durch die er kummervoll und gebeugten Hauptes dahin ſchlich.
Er war untergegangen, aber Ephraim hatte ſich nur immer höher erhoben. Er war arm geworden, weil er ein ehrlicher Mann war, und Ephraim war reich geworden, weil er ein Wucherer war. Seine Firma war untergegangen, und Ephraim ſchlug fort und fort ſeine Gelder. Was kümmerte es ihn, daß ſein Name gebrandmarkt war vom Volke, und daß man von dieſem blechernen Gelde, welchem Ephraim ſo geſchickt das Ausſehen von Silbermünzen zu geben wußte, mit ſanglantem Witze ſprach*), und den Namen
*) Das Preußiſche Geld ward, ſo lange Ephraim die Münze in Pacht hatte, immer ſchlechter, und beſtand zu⸗ letzt nur noch aus Blei, weshalb das Volk dieſe ſo ge⸗
prägten Thaler auch„Blechklappen“ oder„Ephrai⸗
miten“ nannte. Die Berliner, welche von jeher ge⸗
8


