Teil eines Werkes 
4. (Supplement-) Abtheilung, Johann Gotzkowsky oder Friedrich der Große und sein Kaufmann : historischer Roman : 3. Band (1858)
Entstehung
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Leipzig nicht ſofort die verlangte Million Thaler be⸗ zahlen würde! Aber die unglücklichen Bewohner Leipzigs waren ſchon zu dieſem Höhepunkt der Ver⸗ zweiflung angelangt, wo man auf Alles gefaßt iſt, und nichts mehr fürchtet, weil man nichts mehr zu verlieren hat. Sie erklärten, nicht zahlen zu können, und boten an, ihr Wort mit dem Tode beſiegeln zu wollen.

Man nahm nun freilich die Pechkränze wieder von den Häuſern fort, aber man bemächtigte ſich da⸗ für der angeſehenſten und reichſten Einwohner von Leipzig und ſperrte ſie ein, man verſchonte ſelbſt die Behörden nicht und ließ ſogar die erſten Beamten des Magiſtrats die Gefängniſſe der Stadt beziehen. In unwürdigſter Weiſe, einer Heerde Schafe gleich, ſperrte man ſie ein in Räumen, die kaum im Stande waren, die Schaaren dieſer Unglücklichen, zu faſſen, feuchtes Stroh war ihre Lagerſtätte, und Brod und Waſſer ihre einzige Nahrung, welche ihnen mit grau⸗ ſam höhnenden Worten von ihren preußiſchen Kerker⸗ meiſtern dargereicht wurde. 3

Aber ſelbſt dieſen ward dieſe Laſt endlich zu groß, ſie ermüdeten in ihrem grauſamen Dienſt, und ſuchten ihn ſich zu erleichtern. Man hatte anfangs einhun⸗ dert und zwanzig Gefangene gehabt, aber nach vier⸗ zehn Tagen nutzloſer Qual entließ man die größte Zahl derſelben, und behielt nur ſiebenzehn zurück, die allerdings aus den reichſten und vornehmſten Bewohnern Leipzigs beſtanden. Und dieſe armen