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geöffnete Thür, begierig, das Angeſicht des Königs zu ſehen und in dem Ausdruck ſeiner Mienen zu forſchen, ob nicht endlich dieſe unleidliche Waffenſtille durch das thatkräftige Geräuſch des Krieges ſollte unter⸗ brochen werden.
Gotzkowsky trat indeß in das Gemach des Königs ein, die Thür ſchloß ſich hinter ihm. Er war jetzt allein mit dem Monarchen, welcher noch immer an ſeinem Schreibtiſch ſaß und den Crayon in raſchen Zügen über das Papier gleiten ließ.
Er ſchreibt, ſagte Gotzkowsky zu ſich ſelber, er entwirft vielleicht in der That den Schlachtplan, den die Generäle da draußen mit ſo freudiger Ungeduld
erwarten, ja, er ſchreibt, und jeder dieſer flüchtigen Schriftzeichen mag vielleicht viel hundert Menſchen⸗ leben koſten.
Und er wagte nicht, durch irgend ein Wort, einen
lauten Athemzug auf ſeine Anweſenheit aufmerkſam
zu machen. Der König hatte ihm bei ſeinem Eintreten nur flüchtig einen jener ſcharfen und glühend durchboh⸗ renden Blicke zugeworfen, vor deſſen imperatoriſcher Gewalt ſchon mancher Feldherr und mancher Tapfere erbebt war, dann hatte er das Haupt wieder auf das Papier geſenkt. Ein lautloſes Schweigen herrſchte jetzt eine Zeit lang. Plötzlich unterbrach der König dieſe Stille
und rief Gotzkowsky mit einem Wink ſeiner Hand an ſeine Seite. 5
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