Teil eines Werkes 
4. (Supplement-) Abtheilung, Johann Gotzkowsky oder Friedrich der Große und sein Kaufmann : historischer Roman : 3. Band (1858)
Entstehung
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Der König legte die Feder nieder und lehnte ſich einen Moment in ſeinen Seſſel zurück. Sein ſonſt ſo glühendes, ſcharfes Auge hatte jetzt einen milden ſanften Ausdruck und ein leiſes Lächeln umſpielte ſeine ſchmalen, edel geformten Lippen. Er hatte einen Augen⸗ blick des Kriegsgetümmels und der Sorge vergeſſen, und träumte ſich hinüber in ſein geliebtes Para⸗ dies, in ſein Sansſouci, wo es dem Helden vergönnt war, Dichter zu ſein, und wo der König ſich auf einige genußreiche Stunden ſeiner Wür⸗ den entäußern konnte, um ſtatt des thronenden errſchers und Regierers der heitere Weiſe, der lä⸗ chelnde Sohn der Muſen zu ſein.

Der König, angelächelt von dieſen Erinnerungen glücklicher Tage, erhob ſich und griff nach ſeiner Flöte, welche, einem ausdrücklichen Befehl gemäß, immer auf ſeinem Schreibtiſch liegen mußte. Er ſetzte ſie an die Lippen und begann ein Adagio zu ſpielen, in en Vortrag er bekanntlich einer der größten Vir⸗ ſen ſeiner Zeit geweſen. Und der Zug der Töne rauſchte auf und es klagte und flötete und umwogte ihn mit bezaubernden Melodieen. Niemand konnte dieſe ſo edel vorgetragene, ſo tief empfundene Muſik

in ſeiner innerſten Seele getroffen und ſein Herz von ſanfter Rührung geſchwellt zu fühlen.

Generäle und di heldenhaften Krieger, da war der Ziethen und der tapfere Schwerin und der General

des königlichen Künſtlers vernehmen, ohne ſich davon

Drinnen ſtanden ſie im Vorzimmer, die ernſten.

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