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s iſt eine Freudenbotſchaft für unſere arme Stadt!
Deeſſ König, unſer gnädiger Herr, entbindet uns von
der Verpflichtung, die verſprochene Kriegsſteuer von
noch anderthalb Millionen auszuzahlen. Er will eine Repreſſalie üben wegen der vom Reichshofrath auf⸗ gehobenen Würzburger und Bamberger Schuldſcheine. Deshalb befiehlt Se. Majeſtät, daß wir nicht zahlen ſollen!*) b
Ein einziger Jubelruf tönte von den Lippen aller Anweſenden, nur Gotzkowsky ſchwieg und blickte zur Erde, und ſeine ernſten, ſinnenden Züge paßten wenig zu den hellen, ſtrahlenden Geſichtern der Männer, die wie verklärt waren von dem Befehl des Königs, ihr Geld zu behalten.
Am glücklichſten und freudeſtrahlendſten aber waren die reichen Münzjuden Ephraim und Itzig und der Herr Oberbürgermeiſter.
Der königliche Befehl befreit unſere arme Stadt von einer fürchterlichen Laſt, ſagte Herr von Kirch⸗ eiſen mit einem glücklichen Lächeln.
Die ganze Kaufmannſchaft muß dem König dan⸗ ken! rief Ephraim. Berlin behält ſeine anderthalb Millionen und der Ruſſe iſt geprellt.
Plötzlich richtete ſich Gotzkowsky empor und ſein Adlerauge überflog mit einem kühnen, ſtrahlenden Blick die ganze Verſammlung.
*) Preuß. Geſchichte Friedrich der Große. Thl. II
S. 251. Geſchichte eines patriotiſchen Kaufmanns S. 81.


