Teil eines Werkes 
4. (Supplement-) Abtheilung, Johann Gotzkowsky oder Friedrich der Große und sein Kaufmann : historischer Roman : 2. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

14

ſind nicht im Stande geweſen, mir Muth einzuflößen! Dies iſt der ſchwerſte Gang meines Lebens! Iſt es nicht fürchterlich, daß der edle Magiſtrat ſich perſön⸗ lich dem Feinde unterwerfen enie Es iſt eine un⸗ erhörte Demüthigung!

Sie iſt es nicht für Euch allein, ſondern ſie iſt für den geringſten der Bürger gleich groß, ſagte Gotz⸗ kowsky.

Herr von Kircheiſen ſchüttelte melancholiſch ſein Haupt. Aber der Bürgersmann nimmt es leichter, ſagte er, dem greift es weniger an die Ehre, als dem Magiſtrat.

Gotzkowsky lächelte verächtlich. Glauben Sie, daß der Magiſtrat eine andere Art von Ehre beſitzt, als irgend ein Bürger dieſer Stadt? fragte er. Volkes⸗ ehre geht über alle Herrenehre!

Der Oberbürgermeiſter runzelte die Stirn. Dies ſind ſehr ſtolze Worte, erwiederte er achſelzuckend.

Der Stolz gebührt dem Bürger! rief Gotzkowsky. Aber glauben Sie mir, edler Herr, mein Herz iſt heute weniger ſtolz als meine Worre. Es iſt ganz wund von Schmerz und Kummer über unſere tiefe, unverſchuldete Schmach.

Still, ſtill! flüſterte der Oberbürgermeifter er⸗ bleichend und er lehnte ſich zitternd auf Gotzkows⸗ ky's Arm.

Er hatte ein Geräuſch hinter den geſchloſſenen Thorflügeln vernommen, und ahnte die Nähe des

gefürchteten Feindes.

7 5