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iſt es denn möglich, daß er in all' dieſen ewig langen Wochen nicht ein einziges Mal ſollte Gelegenheit ge⸗ funden haben, mir zu ſchreiben? Oder ſollte er mich vergeſſen, ſollte ſeine Liebe nicht die Probe der Tren⸗ nung und des Schweigens überdauert haben?
Wie ſie das dachte, ſtand ſie wie erſtarrt ſtill, und legte ihre Hand auf ihre Bruſt. Sie empfand da einen glühenden Schmerz, und es war ihr, als ob ihr Herz aufhöre zu ſchlagen.
Aber ihr Geſicht erheiterte ſich wieder, und mit einem ſanften Lächeln flüſterte ſie: Oh, an ſeiner Liebe zu zweifeln! Iſt dies nicht ein größerer Verrath und ein ſchlimmeres Verbrechen, als den Feind des Vater⸗
landes zu lieben? Nein, nein, mein Herz zweifelt nicht an Dir, Feodor, und wie lange Du auch ſchwei⸗ gen magſt, ich weiß, daß Dein Herz doch zu dem meinen redet, und daß wir unzertrennlich, ewig eins ſind! Mit raſchem Schritt und freudiger Seele wandelte ſie weiter. Sie war jetzt in die dunkelſten und ab⸗ gelegenſten Partieen des Gartens gekommen. Nichts regte ſich um ſie her, nur hier und da rauſchten die Zweige der dunklen Tanne, von einem Windhauch bewegt, oder vernahm man das ſanfte melodiſche Flö⸗ ten eines Vogels, der ſich im dunklen Laub eines Baums verbarg. Der ſonſt ſo ſchöne und kunſtvoll gepflegte Garten, welcher ſich von der Leipziger Straße bis zu den Palliſaden, welche damals die Stadt in


