Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 4. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

über Neid und Vorurtheile erhaben ſind und in de⸗ ren erſter Reihe ich ſelber ſtehe!*)

Ah, warum iſt die ganze Welt nicht da, dieſe er⸗ habenen Worte eines Königs zu hören, den ich von heute an ſo ſtolz bin, meinen König nennen zu wol⸗

len, rief Voltaire leidenſchaftlich. Sire, ich liebe Sie leidenſchaftlich, ich bilde mir ein, daß die Götter uns für einander geſchaffen haben, ich habe Sie lange zärt⸗ lich geliebt, ich bin erzürnt auf Sie geweſen, aber ich habe Ihnen Alles verziehen und liebe Sie wirklich jetzt bis zur Raſerei. Es hat nie einen ſchwächeren Körper als den meinen, nie aber eine gefühlvoͤllere Seele gegeben. Ich wage es, Sie ebenſo ſehr zu lieben, als ich Sie bewundere.**.) Und wahrlich, ich halte das für einen ebenſo großen Sieg, als die fünf andern Siege, die Euere Majeſtät erkämpft hat, und um deretwillen die Welt Sie bewundert. Ich, Sire, ich will Sie nicht bloß bewundern, ſondern auch lie⸗ ben, und von heute an werde ich als Ihr trener Hund immer zu Ihren Füßen liegen und Sie an⸗ ſchauen, gleichviel, ob Sie mich von da fortjagen und ſagen, daß Sie nicht mein Herr ſein wollen. Ich werde dennoch wiederkehren, auf Ihrer Thürſchwelle ſoll meine Heimath ſein, und da werde ich zufrieden ſein mit den Broſamen, die von Ihrer Tafel fallen. Mein Reichthum und mein Glück ſoll darin beſtehen, Sie zu lieben! 1

Nun, und ich werde Ihre Liebe nicht auf eine ſo harte Probe ſtellen, ſagte der König lächelnd. Es wird ſich hoffentlich noch eine andere dauernde Wohnung

*) Des Königs eigene Worte. Oeuvres posthumes Vol. II. 337.

2⸗) Voltaire's eigene Worte. Mühlbach, Berlin und Sansſouci ꝛc. IV. 3

pal