Publikum, welches, indem es kam, ſeine Vorurtheile und Abneigungen überwunden hatte, und im Theater nicht eine müßige Zerſtreuung, eine bequeme Erheite⸗ rung, ſondern einen ernſten Kunſtgenuß, eine an⸗ regende, geiſterweckende Unterhaltung ſuchte. Um ſo größer alſo war die Freude und der Triumph Eckhoſ's, ein ſolches Publikum ſich erobert und in dieſer Stadt ernſter Bildung und tiefern wiſſenſchaftlichen Sinnes ſich Anerkennung und Bedeutung errungen zu haben. Zumeiſt freilich verdankte er dies den Studenten, denn die Jugend iſt immer kühn genug, das Vorurtheil zu verachten, und hat immer ein offenes Auge, das Schöne zu erkennen, ein offenes Herz, ſeine Freude daran un⸗ verhohlen zu äußern. Eckhof, welcher damit angefan⸗ gen hatte, der Liebling der Studenten zu werden, hatte damit aufgehört, der Liebling der ganzen Stadt, ſogar der ehrſamen Spießbürger und„Philiſter“, mit Aus⸗ nahme der Herren Profeſſoren, zu ſein.
Ganz Halle alſo, wiederum mit Ausnahme der Profeſſoren, wollte heute Abend Eckhof ſeine Liebe und Bewunderung bezeigen, indem es ſeinem Benefize bei⸗ wohnte, und ſich Billets löſete zu dieſer neuen, noch nie geſehenen Tragödie Voltaire's, dem Britannicus. Wäre das Schauſpielhaus heute dreimal ſo groß ge⸗ weſen, es würde kaum genügt haben, um alle Die⸗ jenigen aufzunehmen, welche jetzt mit traurigem Ge⸗ ſicht wieder von der Kaſſe zurücktraten und verſtimmt
heimwärts gingen, weil kein Billet mehr zu erlangen
geweſen. Deſto vergnügter und glücklicher waren Die⸗ jenigen, welche, bewaffnet mit einem Einlaßbillet und zwei kräftigen Ellenbogen, ſich bereits in den Zu⸗ ſchauerraum hineingearbeitet hatten, und jetzt athemlos auf die Bänke hinſinkend ausruhten von dem gewich⸗ tigen Kampf.
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