Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 2. Band (1857)
Entstehung
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Wo war Er, ehe Er nach Berlin ritt?

Im Arreſt, Sire!

So gehe Er wieder hin, wo Er geweſen iſt. Das heißt, in Arreſt.*)

Und im Arreſt blieb Friedrich von Trenck bis alle Vorbereitungen beendet waren, bis die Armee ſich zum Ausmarſche bereitete und der König ſeine Officiere um ſich verſammelte, um ihnen zu ſagen, daß die Zeit der Ruhe vorüber und ſie wieder nach Schleſien ziehen wollten zum blutigen Kampf, und, will's Gott, zum freudigen Sieg!

Am Tage des Ausmarſches, wie geſagt, ward Frie⸗ drich von Trenck aus ſeinem Arreſt entlaſſen. Der König empfing ihn mit einem gnädigen Lächeln und befahl ihm, in ſeinem unmittelbaren Gefolge zu bleiben.

Die Kameraden beneideten Trenck um dieſe große königliche Gunſt, um des Königs freundliches Lächeln, um die huldvollen Worte, welche er an dieſem Tage mehr als einmal an Trenck richtete.

Niemand begriff, warum Trenck bei all' dieſen Zei⸗ chen königlicher Gnade ſo traurig und ſchweigſam blei⸗ ben konnte. Niemand begriff, wie er, ſonſt einer der tapferſten und muthigſten Officiere, heute beim Aus⸗ marſch mit geſenktem Kopf und heimlichen Seufzern, nicht ſtolz und hoch aufgerichtet, ſondern in ſich geſun⸗ ken, träumend und ſinnend auf ſeinem Pferde ſaß. Nie⸗ mand begriff das, als der König, deſſen zartfühlende Seele jede Regung verſtand, für jeden Schmerz ein Bedauern hatte. Alle, welche heute da auszogen, hatten Ab⸗

Dieſe ganze Unterredung iſt hiſtoriſch. Siehe: Friedrich vorrencks Lebensgeſchichte. Bd. I. S. 43.