Teil eines Werkes 
Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 2. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Sie ſchleuderte einen jener Flammenblicke, welche ſie mit dem König gemein hatte, auf die feſtliche Toilette ihrer Schweſter, und ein wildes, zorniges Lachen tönte von ihren Lippen.

Man hat mich alſo nicht getäuſcht, ſagte ſie. Es iſt kein Mährchen geweſen, welches man mir erzählte. Du kommſt aus der Kapelle?

Ich komme aus der Kapelle, ja! erwiderte Ulrike, dem zornigen Blicke ihrer Schweſter mit feſtem ruhi⸗ gen Anſchauen begegnend, und ganz entſchloſſen und muthig dem Sturm entgegengehend, von dem ſie wußte, daß er ihr bevorſtand.

Sie faltete ihre Arme über der Bruſt zuſammen, als wolle ſie dieſe beſchützen gegen die Wuthblitze, die aus den Augen ihrer Schweſter aufflammten, und wiederholte mit gelaſſenem Ton: Ich komme aus der Kapelle, und was weiter?

Was weiter! rief Amalie, indem ihr kleiner Fuß heftig den Boden ſtampfte. Ah, ſie will noch die Harmloſe und Unſchuldige ſpielen. Was thateſt Du in der Kapelle?

Ulrike ſah ſie feſt und lächelnd an. Dann ſagte ſie langſam und mit ſcharfer Betonung: Ich nahm dort das Abendmahl nach lutheriſchem Ritus!

Amalie zuckte zuſammen, als habe der Biß einer Schlange ihr Herz verwundet. Das bedeutet alſo, daß Du eine Abtrünnige und Verlorene biſt, rief ſie zuſammenſchaudernd. Das bedeutet, daß Du mich ſchmachvoll hintergangen und betrogen haſt, das be⸗ deutet

Das bedeutet nur, unterbrach Ulrike ſie, das be⸗ deutet nur, daß ich eine weniger fromme Chriſtin, ein weniger unſchuldiges und uneigennütziges junges