— 156— Luft und ein wenig Abendſonne genießen und den Feldern und Wäldern die erhabenſten Stellen ſeiner Lieblingsdichter vordeclamiren durfte. Und vielleicht wäre ich wohl ſo ein armer Schreiber und Schwärmer geblieben, wenn mein Genius mir nicht beigeſtanden und mir einen tüchtigen Stoß mit dem Ellenbogen gegeben hätte, damit ich aus meiner Träumerei zum thatkräftigen Leben erwachte. Als der übermüthige Juſtizrath, deſſen Schreiber ich war, von mir ver⸗ langte, daß ich als Bedienter hinten auf ſeinem Wa⸗ gen ſtände, da erwachte das Gefühl meiner Ehre und meiner Würde in mir und ich lief davon, feſt ent⸗ ſchloſſen lieber zu verhungern, als ſolche Demüthigung und Schmach länger zu ertragen. Aber mein Genius war mit mir, er flößte mir den Muth ein, die große und ewige Sehnſucht meines Lebens zu verwirklichen, ein Schauſpieler zu werden und der Kunſt zu dienen, nachdem ich ſo lange nur der Nothdurft des Lebens gedient hatte. Seht, ſo iſt es gekommen, daß ich ein Schauſpieler geworden; weil man mich als Bedienten hinten auf den Wagen ſtellen wollte, bin ich ein Künſt⸗ ler geworden. Und will man uns jetzt nicht minder ſo demüthigen und erniedrigen? Will man uns nicht zwingen, als arme Bedienten fein ſtill und leiſe hin⸗ tenaufzuſtehen auf dieſem Triumphwagen der Schau⸗ ſpielkunſt, in welchem die Ausländer und die Fremden ihre Plätze eingenommen haben? Nein, nein, Ihr Freunde, wir wollen nicht in Berlin Bediente ſein, wenn wir in Halle die Herren, die freien Männer ſein können, nicht Abſchreiber der Franzoſen, wenn wir Muth und Talent genug beſitzen, ſelbſtſchaffende und denkende Künſtler zu ſein! Wer Großes will, hat auch die Kraft das Große zu erreichen, alſo laßt
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Berlin und Sansouci oder Friedrich der Große und seine Freunde : historischer Roman : 1. Band (1857)
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