Da haſt Du Geld, ſende überall hin Deine Boten aus, gehe ſelber und ſuche. Schaffen mußt Du ihn, denn ich ſage Dir, wenn Du es nicht thuſt, ziehe ich meine Hand von Dir ab, und Du wirſt nichts mehr ſein, als ein armer Student, der ſich vom Unterrichten ernähren kann.
Das möchte eine ſehr dürftige Art der Ernährung ſein, rief ſein Bruder lachend. Ich bin überhaupt Willens, einen andern Lebenspfad einzuſchlagen, und ſtatt eines Gelehrten ein Künſtler zu werden.
Ein Künſtler! rief ſein Bruder achſelzuckend. Haſt Du eine künſtleriſche Ader an Dir aufgefunden?
Ja, mein Bruder, ich habe eine ſolche aufgefun⸗ den! Oder vielmehr, Eckhof hat ſie in mir erweckt!
Eckhof! Wer iſt Eckhof? 3 Wie, Du fragſt, wer Eckhof iſt? Du kennſt ihn
alſo nicht, dieſen großen, dieſen erhabenen Künſtler, welcher ſeit einigen Wochen hier angelangt iſt, und Jeden, welcher ein deutſches Herz in ſeiner Bruſt trägt, entzückt durch ſein herrliches Spiel! Ich ſah ihn vor einigen Tagen in Gotſched's Cato! Ach mein Bruder, an jenem Abend ward es mir klar, daß auch ich zu etwas Höherem und Schönerem berufen bin, als nur im Studirzimmer zu ſitzen, und aus beſtaubten Bü⸗ chern mir ein wenig vermodertes Wiſſen zuſammen⸗ zuſuchen! Nein, ich will mir die Welt nicht mit Bü⸗ cherſtaub verdüſtern, ich will ſie mir verklären durch die edelſte und ſchönſte Kunſt! Ich will ein Schan⸗ ſpieler werden! 3
Alberner Thor! ſagte ſein Bruder lächelnd. Ein deutſcher Schauſpieler, das heißt ein armer Bettler und Vagabund, der von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf zieht mit ſeinem Thespiskarren, und den man überall verlacht, wie man den Affen verlacht, welcher


