Teil eines Werkes 
3. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 2. Band (1857)
Entstehung
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Man muß Neapel gleichfalls Gelegenheit geben, ſich zu vergrößern. Der junge König von Neapel hat Energie; er hat das bewieſen, indem er ſich, da ſein Vater, Don Karlos von Neapel, durch das Succeſſionsrecht auf den erledigten ſpaniſchen Thron gerufen ward, zum König von Neapel gemacht hat, nicht achtend der Rechte des Herzogs von Parma, dem nach den Aachener Verträgen die erledigte neapolitaniſche Krone gebührt. König Ferdinand iſt ſchon ein Uſurpator; möge er alſo fortfahren auf dieſem einmal, und mit ſo vielem Glück betretenen Wege. Er hat ſich Neapel genommen, möge er ſich Toskana und den Kirchenſtaat dazu nehmen, und er wird als König von Unteritalien ein ebenſo mächtiger König ſein, als der König von Sardinien, wenn er ſich zum Herrſcher von Oberitalien macht. Damit Beide aber ungefährdet und ungehindert ſich in den Beſitz dieſer Länder ſetzen können, wird König Friedrich von Preußen die Häuſer Oeſterreich und Frankreich in Deutſchland und in Flandern ſo be⸗ ſchäftigen, daß es ihnen nicht möglich ſein ſoll, Neapel und Sardinien in ihren Unternehmungen zu hindern.*)

Bei Gott, ein großer und kühner Plan, ganz dem energiſchen Geiſt Friedrichs angemeſſen! rief der Prior begeiſtert aus. Wenn die beiden italie⸗ niſchen Könige dem großen Friedrich gleichen, ſo müßten ſie dieſen Plan mit Enthuſiasmus auf⸗ nehmen!

Er war aufgeſtanden und ging mit haſtigen Schritten auf und ab, dann und wann einzelne Worte vor ſich hin murmelnd, oder mit ernſter Auf⸗

*¹) Preuß: Geſchichte Friedrichs des Großen. Th. II. S. 232.