Teil eines Werkes 
3. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 2. Abtheilung : 2. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

21

ihnen Signor Montardo und der Fremde, ſchon eine Schutzmauer gebildet und wehrten mit wüthen⸗ dem Geſchrei und drohend erhobenen Fäuſten die Herandrängenden zurück. Nun entſtand einer jener Tumulte, wie ſie nur bei dem leidenſchaftlichen Volk der Italiener möglich ſind. Man hörte nichts als wüſtes Geſchrei, wilde Flüche, drohende Verwün⸗ ſchungen, man ſah nichts als wuthblitzende Augen, geballte Fäuſte, und hier und da blitzte ſchon die Klinge eines Dolches oder eines Meſſers.

Auf einmal, wie von einem Zauberſpruch ge⸗ bändigt, verſtummte das wüſte Geſchrei und eine tiefe Stille trat ein. Alle dieſe ſchreienden, heulen⸗ den Menſchenmaſſen ſtanden plötzlich ſchweigend und ruhig da, oder wichen ſcheu und angſtvoll zurück vor dieſen finſteren, ſtummen Geſtalten, die plötzlich in ihrer Mitte, gleichſam wie aus der Erde, auf⸗ tauchten. Niemand hatte ſie kommen ſehen, die ho⸗ hen, in lange ſchwarze Mäntel gehüllten Männer⸗ geſtalten, deren Antlitz von dem breitkrämpigen Hut ganz und gar bedeckt und beſchattet war, Niemand hörte von ihnen ein Wort der Drohung, und doch wich Jedermann ſcheu und ängſtlich vor ihnen zu⸗ rück, und doch genügte ihre bloße, ſchweigende Ge⸗ genwart, um dieſe wüthenden Maſſen zu beſänftigen und ihren Zorn verſtummen zu machen.

Selbſt Signor Montardo hatte ſchnell ſeine dro⸗ hende und herausfordende⸗ Stellung vor dem Bilde mit der Lampe aufgegeben, und blickte ſcheu den ſchwarzen Geſtalten nach, die langſam und ſchwei⸗

gend durch die zurückweichende Menge dahinſchritten.

Die Sbirri! murmelte er dem Fremden zu. Die Diener vom Rath der Zehn! Wen werden ſie mit ſich nehmen?