— 199—
geſchlagen. Ringsum war Alles ſtill, nicht das lei⸗ ſeſte Geräuſch unterbrach die friedliche Morgenſtille; gleichſam, als habe die Natur ſelber Ehrfurcht vor dem Schlummer des Helden, ſchienen ſelbſt die Vö⸗ gel zu ſchweigen, und der Morgenwind rauſchte nur mit leiſem Säuſeln an die kleinen Fenſter, als wolle er dem König ein friedliches Schlummerlied ſingen. Da die Wachen vor der Thür des Königs fehlten, ſchien die Sonne die Wache übernehmen zu wollen, und beleuchtete und grüßte mit ihrem erſten Strahl die heilige Stätte, wo ein vom Mißgeſchick verfolgter Held ruhte.
Leiſe und mit angehaltenem Athem ſchlichen die beiden Grenadiere in die offene Hütte. Dieſes tiefe Schweigen, dieſe von keinem Laut unterbrochene Stille ängſtigte ſie. Es ſchien ihnen ganz unmöglich, daß ſie hier, in dieſem elenden Hauſe, ſo ganz allein und unbewacht den König finden würden. Sie dach⸗ ten an die umherſchwärmenden Koſacken; zwölf von ihnen würden genügt haben, dieſe kleine Hütte zu umſtellen, und den König mit ſeinen beiden Adju⸗ tanten gefangen fortzuführen!
Ich weiß nicht, flüſterte Fritz Kober, als ſie auf dem Flur der Hütte ſtanden, ich hab' nicht die Cou⸗ rage die Thür zu öffnen. Der König iſt gewiß nicht mehr drin. Die Koſacken haben ihn forkgeſchleppt.
Das wird Gott nicht gelitten haben, ſagte Karl Heinrich feierlich. Gott hat mit ſeinem Mond und ſeinen Sternen den König bewacht, als wir nicht da waren, das glaube ich. Komm, laß uns zum König gehen!
Leiſe öffnete er die Thür und ſie traten ein. Aber dann blieben ſie Beide, wie von ſcheuer Ehrfurcht
.


