Teil eines Werkes 
2. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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Ich ebenſo, fagte der zweite Adjutant. Geruhen Euer Majeſtät, ſich zur Ruhe zu verfügen. Wir werden Wache halten.

Nicht doch, ſagte der König lächelnd, der Mond hält Wache für uns Alle. Kommen Sie herein!

Aber es iſt doch unmöglich, daß Euer Majeſtät hier ſo unbewacht ſchlafen wollen. Der erſte, beſte Koſack, der hier vorüberkommt, könnte ſein Piſtol durch's Fenſter auf Euer Majeſtät abdrücken.

Der König ſchüttelte ernſt das Haupt. Die Kugel, die mich treffen ſoll, kommt von Oben,*) ſagte er. Auch würden Sie das kaum hindern kön⸗ nen. Nein, es iſt beſſer, keine Wache vor der Thür zu haben, und die Aufmerkſamkeit der Umherſchwär⸗ menden gar nicht auf dies Haus zu lenken. Und ich denke, ohne äußere Veranlaſſung wird Niemand gerade vermuthen, daß dieſe ſchlechte, verfallene Ba⸗ racke, durch die der Wind heult, die Reſidenz eines Königs iſt! Kommen Sie alſo, Meſſieurs. 1

Er ſchritt in die Hütte, und die beiden Adjutanten folgten ihm, nicht mehr wagend, ihm zu wider⸗ ſprechen.„

Löſchen Sie die Lichter, ſagte der König. Der Mond iſt unſere Fackel, und beleuchtet ganz coquett unſer lockendes Strohlager hier.

Er zog ſeinen Degen, und ihn feſt in die rechte Hand nehmend, legte er ſich nieder auf das Stroh. Da iſt noch Platz für Sie beide, ſagte er, legen Sie Sich alſo nieder. Gute Nacht, meine Herren.

Er hob leicht den dreieckigen Hut zum Gruß empor und legte ihn dann als Schutz gegen das Mondlicht und die Nachtkälte über ſein Geſicht.

*) Des Königs eigene Worte. Siehe Nicolai: Characterzüge und Anecdoten. Heft V. S. 118.