Teil eines Werkes 
2. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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Nicht achtend ſeines Wimmerns, ſeines Todesgeſtöhns,

ſeiner ſchmerzzuckenden Glieder, beraubt der Koſack den edlen preußiſchen Krieger, ſelbſt das bluttriefende Hemde noch reizt die Hubgier des Barbaren, und auch dieſe letzte Hülle noch des todeswunden Kör⸗ pers entreißt er ihm.*) Dann ſteigt er heiteren Sinnes wieder aus dem Graben empor, und indem er ſeinen Raub in den großen, am Sattelknopf be⸗ feſtigten leinenen Beutel ſchiebt, erzählt er ſeinem Pferde, welches mit geſpitzten Ohren ihm zuhört, von der reichen Beute, die er ſo eben gemacht. Das kleine Pferd wiehert auf, als hätt' es ihn verſtan⸗ den, ſein Herr ſchwingt ſich auf ſeinen Rücken, und vorwärts geht es in raſendem Lauf, neuem Raub und neuer Beute nach.

Und der deutſche Dichter, der preußiſche Held lag da, nackt und jeder anderen Hülle beraubt, außer derjenigen, welche das Blut ſeiner Wunden über ſeine entblößten, zitternden Glieder deckt. Sein Blut allein umhüllt ihn mit einem Purpurmantel, würdig

der Krone, welche Dichtkunſt um ſeine Stirn gelegt!

Aber Ewald von Kleiſt iſt zu dieſer Stunde nicht mehr der Dichter, und nicht mehr der Held; ein ar⸗ mes elendes Menſchenkind, liegt er im Staub, wim⸗ mernd vor Qual, flehend um einige Lumpen, damit ſeine Wunden zu bedecken, in welche das ſchmutzige Waſſer des Grabens eindringt.

Und diesmal iſt das Schickſal ihm günſtig. Ei⸗

nige ruſſiſche Huſaren reiten vorüber, und es exbarmt

ſie des jammerden nackten Mannes, mit den klaffen⸗ den Wunden. Sie werfen ihm einen alten Solda⸗

*) v. Archenholtz. Geſchichte des ſiebenjährigen Krieges. Th. I. S. 263. 3 10*