I. Nach der Schlacht.
Der Donner der Kanonen war verſtummt, das Praſſeln der Pelotonfeuer hatte aufgehört. Ruhig und ſtill war es auf der großen Ebene bei Kuners⸗ dorf, wo vor einigen Stunden noch die mörderiſche Schlacht gewüthet. Aber welche Ruhe war dies, und wie grauſig dieſe Stille, welche über dem blut⸗ dampfenden Schlachtfeld lagert! Die Ruhe des To⸗ des war es, und die Stille, welche dieſer ſchauer⸗ liche Bote des Himmels als Siegel ſeiner Liebe auf die bleichen Menſchenlippen drückt!— Wohl denen, welche dieſer Kuß gleich ſchnell von hinnen geführt hat, welche nicht ſo zu leiden haben, wie dieſe, die dort lebend noch und doch dem Tode angehörend, noch unter den Tauſenden dieſer Leichen zerſtreut umher liegen. Der kalte Leichnam ihres Nachbars iſt das Kiſſen, auf welches allein ſie ihr blutiges Haupt betten, das Geſtöhne der Sterbenden iſt die ſchauerliche Melodie geweſen, die ſie aus ihrer Be⸗
täubung weckte, und der ſternenbeſäete Himmel die⸗
ſer hellen durchſichtigen Sommernacht iſt das ein⸗ zige Auge der Liebe, das ſich über ſie neigt.


