Teil eines Werkes 
2. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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Ich habe meinen Schwur gehalten, fuhr Marietta

fort, ich habe es ihn büßen laſſen, was er an mir gethan, und ich denke, oft, wenn er ſpäter gezwungen war, auf mich eines ſeiner ſchwungvollen Lobgedichte zu machen, hat er mich dabei in ſeinem Herzen ver⸗ wünſcht und er würde mich nimmer wieder beſungen haben, wenn nicht mein Ruhm für ihn eine Geld⸗ quelle geweſen wäre, die man nicht erſchöpfen noch verſtopfen durfte. Aber meine Stimme war den vielen Anſtrengungen nicht gewachſen, ſie fing an ſich leiſe zu umſchleiern, und ſo mußte ich es faſt noch für ein Glück betrachten, daß mir der Graf Algarotti den Antrag machte, als zweite Sängerin nach Berlin zu gehen, und ich mußte das um ſo mehr, als der Graf gleichzeitig Tagliazuchi die Stelle eines Operndichters bei der Berliner Oper antrug. So verließ ich mein ſchönes Italien, ſo verließ ich Dich, um in dem kalten Norden Geld zu verdienen. Und jetzt bereue ich es nicht mehr, daß ich es that, denn hier ſollte ich Dich wiederfinden, Dich, den Geliebten meiner Jugend, Dich, meine Jugend ſelber. Oh, mein Gott, nimmer werde ich den Tag vergeſſen, wo ich Dich vorübergehen ſah. Ich erkannte Dich, trotz der Uniform, und trotz der vielen Jahre, in denen ich Dich nicht geſehen, ich erkannte Dich, und es waren nicht meine Lippen, nein es war mein Herz, welches dieſen lauten Schrei ausſtieß, der machte, daß Du emporblickteſt und zu mir hinſahſt. Und nun erkannteſt auch Du mich, und ſtreckteſt die Hände zu mir empor, und ich wäre aus dem Fenſter geſprungen, um in Deine Arme zu eilen, hätte mich Tagliazuchi nicht zurück⸗ gehalten. Ich aber ſchrie: Es iſt Ranuzi! Es iſt Carlo! Ich muß zu ihm hin!— Da öffnete ſich die Thür, da trateſt Du herein, ich ſat Dich an,