Teil eines Werkes 
2. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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ich damals erſt zwölf Jahre zählte, liebte ich Dich doch ſchon mit der ganzen Kraft eines Weibes undd ſehnte mich nach Dir, wie nach dem verlorenen Pa⸗ radieſe. Die Nonnen lehrten mich ſingen, und wenn meine Stimme ſchmetternd durch die Hallen der Kirche erſchallte, ſo ahnte wohl Niemand, daß nicht Gott, ſondern nur Dein Bild in meinem Herzen war, und ich Dich pries mit meinen Lobgeſängen und meiner frommen Liebesinbrunſt. Da ich wußte, daß wir auf immer getrennt waren und niemals einander angehören konnten, ſo bat ich immer nur Gott, der Zeit Flügel zu leihen, damit wir Beide ſelbſtſtändig und frei würden, ich eine Sängerin, Du ein geweiheter Prieſter, dem es Niemand verweh⸗ ren konnte, zu mir zu kommen und mein Beichtva⸗ ter zu ſein, da er nicht mein Gatte hatte ſein dürfen. Ranuzi lachte laut auf. Mir ſcheint, ſagte er, dieſes ſo ſromme Gebet hatte indeß ſeinen etwas gefährlichen Nebengedanken, und ich glaube kaum, daß wir uns immer erinnert haben würden, daß ich Dein frommer Beichtvater ſei. Aber das Schickſal wollte uns vor ſolcher zweideutigen Gefahr bewah⸗ ren. Die frommen Väter machten die Entdeckung. daß ich zum Prieſter zu wenig Beredtſamkeit habe, aber vielleicht deſto beſſer geeignet ſei, der heiligen Kirche auf dem Schlachtfeld zu dienen. Sie ver⸗ ſchafften mir daher, als ich erwachſen und gelehrt genug war, eine Stelle als Officier bei der Leib⸗ garde des Papſtes, und ließen mich das ſchwarze Ordenskleid mit dem goldgeſtickten Waffenrock ver⸗ tauſchen.

Und Du vergaßeſt mich, ſagte Marietta vor⸗ wurfsvoll. Du ließeſt mich nicht einmal wiſſen, wo Du ſeieſt, und erſt nach fünf Jahren, als ich in

Friedr. d. Gr. u. ſ. Geſchw. 2. Abth⸗ J. 3