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Zucken, und von dem Erben eines Thrones, dem ein⸗ ſtigen Beherrſcher vieler Millionen Menſchen, dem ſtolzen Fürſtenſohn iſt nichts mehr übrig als eine arme Menſchenleiche!
Und die Bäume rauſchen fröhlich weiter, keine Wolke verdüſtert den Himmel, die Vögel ſingen und die Blu⸗ men blühen luſtig fort, und doch iſt ſoeben ein Fürſt geſtorben und eine Seele gen Himmel geflattert!
Aber die Liebe drückt den letzten Kuß auf ſeine Lippen, die Liebe ſchließt ihm die Augen zu, die Liebe weint um ihn, die Liebe betet für ihn.
Der Haß gehört der Welt an! Die Liebe aber geht mit in's Grab!*)
*) Prinz Auguſt Wilhelm ſtarb den 12. Juni 1758, im noch nicht vollendeten ſechsunddreißigſten Jahre. Als ſein Adjutant von Hagen dem König, ſeinem Bruder, die Nachricht von dem Tode des Prinzen in's preußiſche Lager brachte, fragte der König: an welcher
Krankheit iſt denn der Prinz geſtorben?— Der Gram hat ihm das
Leben verkürzt, erwiederte der Officier. Friedrich kehrte ihm den Rücken und ſprach kein Wort weiter mit ihm. Auch ward dieſer Officier nie befördert.(Characteriſtik des ſiebenjährigen Krieges. Th. I. S. 130).— Der König, welcher Winterfeldt, Ziethen und Schwerin ein Denkmal errichtete, überließ ſeinem Bruder, dem Prinzen Heinrich, die Sorge, dem Prinzen von Preußen, dem ge⸗ liebteſten ſeiner Brüder auch öffentlich ein Denkmal zu weihen. Er that das in Reinerz, wo er zur Erinnerung an die Helden des ſie⸗
benjährigen Krieges eine Pyramide errichten ließ, in welche die
Namen aller Generale und aller gewonnenen Schlachten eingegraben waren, und die mit dem Bruſtbild Auguſt Wilbelms, des Urgroß⸗ vaters des jetzigen Königs von Preußen geziert war. Hatte der Kö⸗ nig Winterfeldt eine Statue geſetzt und ſeinen Bruder vergeſſen, ſo vergaß jetzt der Prinz Heinrich dafür Winterfeldts Namen unter die Helden des Krieges einzureihen. Bei der Enthüllung des Denkmals hielt der Prinz eine Rede, die voll enthuſiaſtiſchen Lobes für den ge⸗ liebten, ſo früh dahingeſchiedenen Bruder war, und in vielen Wen⸗
. dungen das tiefe innere Zerwürfniß verrieth, das zwiſchen dem Prinzen
Heinrich und Friedrich dem Großen immer herrſchte, und das der Prinz auch dadurch manifeſtirte, daß er des Königs in ſeiner Rede gar nicht erwähnte, auch ihn nicht unter die Helden des ſiebenjäh⸗


