vertrauten Schafe nur ein wenig ſich von der Linie entfernte, und ſich mehr dem die Wieſe begrenzenden Kornfeld zuwandte, wo die Schnitter das Korn mäh⸗ ten, und die flinken Mägde es in Garben banden, ſtürzte der geſtrenge Phylax mit leidenſchaftlichem Ge⸗ bell, unterbrochen von drohendem Knurren, dem ver⸗ wegenen Schafe nach, welches durch ſchleunige Rück⸗ kehr zu der Heerde ſich der Wuth ſeines unerbittlichen Oberaufſehers zu entziehen ſuchte.—
Der alte Schäfer mit dem lang herabwallenden ſilberweißen Haar, der in der Mitte der Wieſe auf einem kleinen von Binſen geflochtenen Schemel ſaß, und ſich damit beſchäftigte, aus feinen Weidenruthen ein zierliches Körbchen zu flechten, ſchaute jedes Mal, wenn das Gebell ſeines Phylax ertönte, von ſeiner Arbeit empor und nickte lächelnd dem eifrigen Ver⸗ walter ſeines Dienſtes ſeinen Beifall zu. Dann und wann auch richtete er den Blick hinüber nach dem Kornfeld und zu den Schnittern und den garbenbin⸗ denden Mägden, und ſein ehrwürdiges, altes Geſicht nahm dann jedes Mal einen heiteren, zufriedenen Aus⸗ druck an.
Und er konnte wohl zufrieden ſein mit dem, was er da ſah, denn der hochgewachſene kräftige Burſche, der da oben auf dem mit Garben beladenen Wagen ſtand, und eben die Arme ausſtreckte, um die geſchickt ihm zugeworfenen Garben aufzufangen, dieſer Burſche mit dem vollen rothen Geſicht, den luſtigblitzenden Augen, den üppig aufgeworfenen rothen Lippen, die ſich ſo oft zum fröhlichen Lachen öffneten, und dann zwei Reihen blendend weißer Zähne ſehen ließen, die⸗ ſer Burſche war ſein Sohn, ſein geliebter Karl Hein⸗ rich. Und jenes Mädchen, welches unweit des Ernte⸗ wagens mit dem Aufbinden des Korns beſchäftigt war,


