— 24— Heute aber war dieſer Wagen nicht zu einer Spazier⸗ fahrt, ſondern zu dem Transport eines Gefangenen beſtimmt, und dieſer Gefangene war kein Anderer, als der unglückliche Friedrich von Trenck, den die feigen, von den Drohungen des preußiſchen Königs geängſtig⸗ ten Behörden der Republik Danzig an die zu dieſem Zweck dorthin geſandten Polizeiſoldaten Preußens aus⸗ geliefert hatten, und der nun auf dem Transport nach Berlin ſich befand. Die Kunde ſeines unſeligen Ge⸗ ſchickes zog wie ein Herold vor ihm her, und über⸗ all, wohin er mit ſeinem traurigen Gefolge von zwölf Huſaren kam, fand er die liebevollſte Theilnahme, be⸗ mühte man ſich, ihm die unzweideutigſten Beweiſe des Bedauerns und Mitgefühls zu geben. Selbſt die Of⸗ fiziere, welche ihn begleiteten, und von Station zu Station wechſelnd, neben ihm in der verſchloſſenen Kutſche ſaßen, ſchienen gerührt von ſeinem Schickſal und ſprachen nicht zu ihm, wie zu einem Gefangenen, ſondern wie zu einem lieben Waffengefährten. Aber während Alle für ihn zagten, Alle um ihn ſeufzten, war Trenck allein heiter, war ſein Antlitz allein ent⸗ ſchloſſen und muthvoll, und nicht einen Moment wäh⸗ rend dieſer drei Tage, die er im Hauſe des Herzogs verbracht hatte, war ſein ſchönes, jugendvolles Geſicht von einem Schatten getrübt worden, nicht einen Mo⸗ ment hatte ihn die heitere Laune verlaſſen, durch welche er ſich Aller Herzen zu gewinnen verſtand. An der Tafel des Herzogs war er der heiterſte, witzigſte Ge⸗ ſellſchafter geweſen, und ſeine munteren Geſchichten und drolligen Einfälle hatten nicht bloß den Herzog und ſeine Cavaliere, ſondern auch die junge Herzogin und ihre Damen herzlich lachen gemacht. In den Abendſtunden hatte er im Salon der Herzogin den ganzen vornehmen Geſellſchaftskreis in Erſtaunen ge⸗
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2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 2. Band (1857)
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