Aber dieſe ungewöhnliche Traurigkeit fing bald an ſie zu beläſtigen; ihr Herz war nicht daran gewöhnt, Schmerzen zu empfinden und ſie erſchauerte vor dieſer einſamen, dumpfen Oede, welche ſie in ſich fühlte.
Wenn nur der Wagen käme, um mich abzuholen, flüſterte ſie, und dann, gleichſam um ihr leichtſinniges Herz vor ſich ſelber zu entſchuldigen, fügte ſie hinzu: jetzt iſt es für mich eine heilige Pflicht, dem Prinzen auf eine rechtmäßige und legitime Weiſe anzugehören. Ich muß mir die Achtung meines Kindes wieder er⸗ werben, ich muß ihrem Leben eine feſte und gediegene Baſis geben. Ja, ja, dazu iſt es durchaus noth⸗ wendig, daß ich nicht des Prinzen Geliebte, ſondern ſeine Gattin werde. Und ich werde dieſes Ziel ſchon erreichen, denn der Prinz liebt mich wahrhaft und in ſeinem Munde iſt das Wort einer erſten Liebe keine Lüge.
Und jetzt war ſie wieder die coquette Frau, deren reizendes Lächeln wieder vollkommen mit ihrem co⸗ quetten Anzug harmonirte, nicht mehr die zärtliche Mutter, die von Reue und Selbſtvorwürfen gemarterte Sünderin!
Jetzt ſtand ſie wieder vor dem Spiegel und legte die zerknitterten Falten ihres Gewandes wieder zurecht und ordnete wieder ihre etwas verſchobene und zer⸗ drückte Friſur. 3
Ich will heute bezaubernd und ganz hinreißend ſein, flüſterte ſie mit einem Lächeln, das die beiden Reihen ihrer perlenweißen Zähne ſehen ließ. Der Prinz ſoll aus meinen Blicken Begeiſterung und Muth ſchöpfen, das Ungeheuerlichſte zu wagen und mir ſeine
Hand anzubieten. Oh, ich weiß ſchon, daß er ganz
in der Stimmung iſt, es zu thun, und wär's auch 32


