Teil eines Werkes 
2. Folge, Friedrich der Große und seine Geschwister : historischer Roman : 1. Abtheilung : 1. Band (1857)
Entstehung
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zu mir geſagt hatte. Oh, ich war dabei und hörte Alles! Ihr hattet nur nicht geſehen, wie ich hinter Euch in's Zimmer geſchlichen war und mich leiſe hin⸗ ter dem großen Kaminſchirme verkrochen hatte. Da ſagte Papa auch zu Dir, Du ſeieſt Schuld an all ſeinem Unglück und ſeiner Schande. Von dem Tage, an welchem Du mit dem Gärtner davongelaufen und er, auf Befehl des Königs, Dir habe nachſetzen und Dich heirathen müſſen, von dem Tage an ſei er ein verlorener Mann geweſen. Und wie er das ſagte, da weinteſt Du nur, aber Du ſagteſt nicht zu ihm, wie Du jetzt zu mir ſagſt, daß der Papa gelogen habe.

Luiſe antwortete nicht. Dieſer letzte Schlag hatte ihr Herz wie ein Blitzſtrahl zerſchmettert und ſie ganz und gar betäubt. Sich immer noch an der Lehne des Bettes haltend, blickte ſie mit einem unausſprechlichen Wehegefühl zu ihrem Kinde hin, deſſen ſchalkhaftes Lächeln ihre Seele jetzt noch wie mit einem Dolchſtoß verwundete.

Verloren, murmelte ſie leiſe, wir ſind alle Beide verloren!

Dann warf ſie ſich mit einer leidenſchaftlichen Ver⸗ zweiflung über ihr Kind hin und es feſt in ihre Arme ziehend, küßte ſie es mit heftiger Innigkeit und über⸗ ſtrömte ihr Antlitz mit ihren glühenden Thränen.

Nein, Camilla, nein, Du ſollſt nicht verloren gehen, flüſterte ſie, Du ſollſt rein und tugendhaft bleiben. Jedes Kind hat ſeinen guten Engel, der es bewacht, bete mein Kind, bete, daß Dein Engel nicht von Dir weiche!

Sie ſchloß ſie noch einmal heftig in ihre Arme und kehrte dann wieder in ihr Toilettenzimmer zu⸗ rück, troſtlos und tieftraurig, wie ſie ſich nie zuvor gefühlt.