Wieſe, wo ich mir Gaͤnſebluͤmchen pfluͤckte. Ach, damals
war ich gluͤcklicher.—
Und das ſagen Sie, die bewunderte, gefeierte Kuͤnſtlerin? fragte Solau, und trat ihr theilnehmend naͤher.
Sie laͤchelte bitter. Glauben Sie mir, ſagte ſie, unter den Triumphen der Eitelkeit, unter dem Weihrauch der Schmeichelei blutet oft mein Herz, und wenn das ganze Haus erbebt von donnerndem Beifallsrufen, und tauſend Stimmen meinen Namen rufen, da dringt mir oft eine Thraͤne in's Auge, aber es iſt keine Freudenthraͤne. Meine Stimme, meine Declamation, was dieſe Welt ſchaͤtzt, das iſt ja nicht mein eigentliches Weſen, und nach dieſem fragt
Niemand, und doch iſt es etwas werth, mehr werth als
meine Talente. Ich habe gerungen und gemuͤht, um dieſe Stufe zu erklimmen, meine ganze Seele duͤrſtete nach Ruhe, der Gedanke daran erfuͤllte mich mit einem wahren Delirium der Freude. Ich verlangte nichts vom Leben als ein Grab, das nicht ſobald vergeſſen wuͤrde.
Und Sie haben es erlangt, fiel Solau beſaͤnftigend ihr
in das Wort, ſchon ertoͤnt Ihr Name durch ganz Deutſch⸗
land, ja aus Frankreich und England kommen Schreiben an
die gefeierte Saͤngerin, mit der Bitte ſich dort zu zeigen.—
Und dennoch, entgegnete ſie in ſchmerzlichem Tone, den⸗ noch bin ich nicht zufrieden, nicht gluͤcklich. Dennoch war ich es nur damals, als ich unbemerkt in meinem Dorfe lebte, als ich von der Welt nichts verlangte, weil ich nicht wußte, daß es eine Welt gaͤbe außer unſerm Dorfe. Ach, jene ſchoͤne, ſchoͤne Zeit, ſie iſt auf immer verloren!—


