EA
— 227—
der Gottheit auch der Ernſt und die Ewigkeit ver⸗ loren war, und in dem mir nichts geblieben als ein Haſchen des Moments und der Genuß der flüchtigen Minute. Ja, Ellen, ich habe geſündigt, indem ich aufhörte an die Ewigkeit der Liebe zu glauben, und indem ich zweifelte an ihrer Heilig⸗ keit, indem ſie mir nichts ward als der flüchtige Genuß eines Augenblicks und das Ergötzen einer Stunde; habe geſündigt, indem ich aufhörte zu glauben an das Weib, an das heilige reine Weib, das in ſeiner urgöttlichen Kraft eine Segnung und Verklärung des Daſeins iſt, indem ich aufhörte an die Sittſamkeit und Keuſchheit des Weibes zu glauben, und Euch in meinen Gedanken erniedrigte zu farbloſen, ſchillernden Geſtalten voller Unwahr⸗ heit, Täuſchung und Lüge. Dieſes Alles habe ich geſündigt! O Ellen, kannſt Du mir verzeihen?“ Wie er ſo ſprach, ſank er zu ihren Füßen nieder und ſchaute mit flehenden Blicken und tiefbewegten Zügen zu ihr auf.
Sie legte ihre Hand auf ſein Haar und ſpielte in den dunklen Locken und lächelte ihn an, und ſagte ernſt:„wenn Du alſo fehlteſt und irrteſt, ſo iſt es nicht an Dir, ſondern an mir, Dir Ab⸗ bitte zu thun. Denn ſicherlich, nur das Weih allein iſt Schuld, wenn es in den Gedanken des Mannes von ſeiner Heiligkeit und Würde verliert, und wenn er ihrer anders als mit reinen und ehrenden Gedanken ſich erinnert. So laß mich
15*


