Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
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Können Menſchen die Menſchen ſo lieben?

Niemals!

O, welche Qual ſchaffet die Liebe der Men⸗ ſchen! Wie zerwühlet ſie das Herz und richtet, ein geſchickter Baumeiſter, einen neuen Tempel auf im menſchlichen Herzen neben dem Tempel des Herrn, nund dränget dieſen zurück in Nacht und Vergeſſen!

Nicht Gebet und frommer Sang ertönt in dieſem Tempel! Nur entzücktes Lallen und Jauch⸗ zen der Freude! Statt der heiligen Kerzen brennt die Flamme der Begierde, ſtatt des heiligen Fal⸗ tens der Häͤnde heben die Arme ſich zum Um⸗ ſchlingen, und nicht das heilige Kreuz küßt die flehende Lippe, ſondern berührt in irdiſcher Glut die Augen und Lippen des Menſchen!

Weh! Weh! Welche trügeriſche Seligkeit in dem Gefühl ſolcher Liebe!

Wie dörrt ſie das Herz uns aus und um⸗ nachtet die Seele!

Für der Minute Entzücken giebt ſie uns Jahre der Pein!

Für das Jauchzen der Stunde ſchafft ſie ewi⸗ ges Verſtummen den kommenden Tagen!

Für flüchtige Luſt giebt ſie nie verlöſchende Qual!..

Ein verzehrendes Feuer brennt ſie im Herzen!

Wohl mir! das iſt vorüber, vorüber! Zu Aſche verbrannt war mein Herz, und aus der Aſche