Teil eines Werkes 
1. Band (1860)
Entstehung
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Lieblingsliedchen, wie jetzt eben, ſpielt, habe ich ihn überraſcht, daß große Thränen aus ſeinen Augen ſtürzten und über ſeine blaſſen Wangen rollten. Der arme Herr!.

Weiberthränen in Männeraugen, ſagte Nordheim,das ſcheint mir ſo unnatürlich, wie ein Piſtol in Mädchenhand!

Und warum ſollten Männer nicht weinen? fragte die Wirthin, während ſie des Soldaten Glas füllte, das derſelbe ſoeben auf einen Zug geleert.

ſagte Nordheim, wie zu ſich ſelber,warum ſoll⸗ ten ſie nicht weinen über zertretene Rechte, ver⸗ lorene Würde! Ja wahrlich, es giebt Nationen, wo auch die Männer ein Recht haben, Thränen zu vergießen, und wo Thränen die einzigen Thaten, die ihnen möglich, ſind. So ſollten wir Deutſche Alle an den Rhein gehen, unſere Schwerter hineinwerfen und unſere Thränen hin⸗ einweinen! Wahrlich, wenn dann von unſeren Männerthränen die Waſſer höher anſchwellen, ihre Ufer überfluthen, und, weit das ſchöne Deutſchland überſchwemmend, Unfug und Be⸗ drückung hinwegſchwemmten, wahrlich, dann könnten wir uns rühmen, wir deutſche Männer, daß wir etwas gethan haben, freilich nicht wie Männer mit dem Schwerte, ſondern wie Weiber mit Thränen! Mag es ſein, wenn nur etwas gethan

Ja wohl, warum ſollten ſie nicht weinen,