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einer verſtorbenen Schweſter geglaubt, und hat, wie ich berechnete, in edler Aufwallung ſich des Vereinſamten und Verlaſſenen erbarmt. Das bringt mich dem Ziele um Vieles näher. Der Name Bruder wird ſie arglo⸗ ſer machen, und ihr bis jetzt ſo waches Gewiſſen, ihr reges Pflichtgefühl einſchläfern; dies Geheimniß vor ih⸗ rem Manne wird ſie dieſem mehr und mehr entfremden und ſie mir noch mehr zu eigen geben. Und wenn ich ſie in meine Arme nehme und ſie Schweſter nenne, ſo wird ſie dem Bruder anfangs nicht wehren, ihr den keu⸗ ſchen Kuß des Bruders zu geben, bis ihr eigenes Herz in Wallung geräth, und mit ſeinem ungeſtümen Pochen den Namen des Bruders übertäubt, und ſie das Wort: Geliebter! ſprechen lehrt. Gut denn, ich ſehe alſo noch ſchöne und genußvolle Wochen vor mir, und ich will ſie genießen, ſo wie der Geizige, der den vollen Becher köſt⸗ lichen Weins an die Lippen ſetzt, und ihn langſam und allgemach ausſchlürft, um ſeinen Genuß zu verlängern!
Eine bekannte Stimme, die ſeinen Namen rief, weckte Victor aus ſeinem Selbſtgeſpräch. Es war der Schriftſteller Sylvius, der ihm entgegen kam und ihm freundlich die Hand reichte.
Wirklich, ich freue mich Sie zu ſehen, ſagte er hei⸗ ter, und wenn ich ein wenig erſtaunt war, Sie ſo ernſt und mit philoſophiſcher hinbrütender Miene daher kom⸗ men zu ſehen, ſo mindert das doch meine Freude nicht


