Teil eines Werkes 
1. Theil (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

45

Frau Sanders geſagt und wie ſie ihrer Armuth den Anſtrich des Reichthums zu geben gewußt. Einen Au⸗ genblick ſchwieg Ralph nach dieſem Bekenntniß und ſeine Züge nahmen einen ſchmerzvollen, wehmüthigen Ausdruck an, dann aber ſchien er ſich ſchnell zu ſammeln und mit einem gütigen Lächeln ſagte er: Du haſt die Wahrheit geſagt, meine Eva, und wenn alles das, was ich beſitze, Dir genügend ſcheint, um für reich zu gelten, ſo biſt Du auch eine reiche Frau, denn dies Alles iſt Dein und ſo empfange ich täglich aus Deinen Händen einen Theil Deines Beſitzthums! Auch ſorge nicht, es ſoll Niemand Deinen Worten widerſprechen können, und ich ſelbſt werde dazu thun, daß alle Leute erfahren, meine Eva ſei keine, wie ſie es nennen, arme Frau, ſondern beſitze ein nicht unbedeutendes Vermögen. Und da trifft es ſich denn ſehr glücklich, daß ich grade in dieſer Zeit bedeutende rückſtändige Zahlungen von einigen der größten meiner Kunden empfangen habe. Es ſind mehrere tauſend Tha⸗ ler, und ich werde den Herrn Sanders um Rath fragen, wo ich dieſen kleinen Theil Deines Vermögens unter⸗ bringen kann!

Du guter, großmüthiger Ralph, ſagte Eva, ihn zärtlich küſſend, und ihre Thränen waren plötzlich ver⸗ ſiegt, ihr Schmerz gelindert. Vielleicht mochte, ihr ſel⸗ ber unbewußt, die Furcht vor der Entdeckung ihrer Lüge einen eben ſo großen Antheil an ihren Thränen