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goldig angehauchten lebenathmenden Angeſichter mit erhabener Feierlichkeit und Ruhe der Freundin zu⸗ gewandt hatten und ihr zu lächeln und ſie zu grüßen ſchienen mit dem Gruß des Willkommens, ſie, die Unſterblichen die ſterblich Geborne, unſterbliche Künſtlerin.
Herr Menneval empfand faſt eine Art Furcht in dieſem Gemach des Schweigens und des Todes, er neigte ſich zu der Kammerfrau nieder und berührte leiſe ihre Schulter.
„Stehen Sie auf,“ ſagte er ſanft,„ich komme von dem Herrn Miniſter Chaptal. Ich bringe Hülfe für Mademoiſelle Clairon. Sehen Sie da dieſes Papier, leſen Sie!“
Die alte Soubrette erhob ſich langſam von ihren Knien; ſie ſchaute den Sprechenden verwun⸗
dert an und nahm ganz mechaniſch das Papier entgegen, das er ihr darreichte.
„Leſen Sie,“ ſagte Menneval,„es iſt eine freu⸗ dige Nachricht für Ihre Herrin.“
Und Madame Senay las:„Gut für zweitauſend Francs, ſogleich zahlbar an Mademoiſelle Clairon. — Chaptal.“*)—„Mein Herr,“ rief ſie dann mit zürnendem Schmerz,„was ſoll die große Clairon mit Ihrem armſeligen Almoſen? Sehen Sie denn nicht, daß ſie geſtorben iſt?“
„Wie?“ rief Menneval,„Clairon iſt todt?“
*) Mémoires de la duchesse d'Abrantès. V. 247.


