Teil eines Werkes 
16. Theil (1861) Mademoiselle Clairon : oder Vier Tage aus dem Leben einer Schauspielerin / von L. Mühlbach
Entstehung
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Abgereiſt, er iſt abgereiſt, ſchrie Clairon außer ſich,er flieht mich, er geht mit ihr. Aber nein, nein, dies Alles iſt eine Täuſchung. Es iſt nicht möglich, daß er geht, ohne von mir Abſchied zu nehmen. Er iſt hier! Ich will, ich muß ihn ſehen!

Sie ſtürzte zu der Thür hin und rief mit lauter Stimme nach dem Haushofmeiſter.

Was war das für ein Wagen, der vorher da fortfuhr? fragte ſie den Eintretenden.

Die Reiſeequipage des Herrn Markgrafen, die ihn in München erwarten ſoll.

Ah, der Markgraf iſt alſo noch nicht abge⸗ reiſt? fragte Clairon triumphirend.

Verzeihung, Ew. Gnaden, der Herr Mark⸗

graf iſt ſchon vor zwei Stunden mit Lady Craven abgereiſt. Er begab ſich zu Fuß in das Hötel und iſt von dort in dem Reiſewagen der Lady mit ihr abgereiſt. Clairon antwortete nicht. Sie ſtand hoch auf⸗ gerichtet ſtolz da, die beiden Hände feſtgeklammert um die Lehne des Fauteuils, neben dem ſie ſtand, die Wangen todesbleich, die Lippen bebend, das Auge ſtarr und kalt.

Dem Haushofmeiſter ward es unheimlich in ihrer Nähe, er mußte ſie wecken aus ihrer Betäubung.

Ew. Gnaden, ſagte er mit lauter Stimme, wann gedenken Sie abzureiſen? Heute Abend, oder erſt morgen früh?