Teil eines Werkes 
16. Theil (1861) Mademoiselle Clairon : oder Vier Tage aus dem Leben einer Schauspielerin / von L. Mühlbach
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

Ach Prinz! rief Clairon,was würde Made⸗ moiſelle Guiman, die ſchöne Tänzerin, ſagen, wenn man ihr dieſe Ihre Worte wiederholte?

Der Prinz lachte:Ich rathe Ihnen nicht, dies zu thun, ſagte er,denn die Guiman würde Ihnen ohne Zweifel die Augen auskratzen. Sie iſt einmal vernarrt in mich, das arme Ding, und behauptet, daß ſie mich grenzenlos liebt. Ich er⸗ laube ihr, mich anzubeten, und laſſe es die Welt immerhin glauben, daß die Guiman meine Ge⸗ liebte iſt.

Und da man Sie doch einmal den Zeus von Paris nennt, ſagte Clairon,ſo ſagt man, daß Sie der ſchönen Tänzerin immer nur als Gold⸗ regen nahen, und daß ſie es verſteht, Ihnen gegen⸗ über die Danae zu ſpielen.

Man übertreibt, foi de gentilhomme, man übertreibt, betheuerte der Prinz.Guiman liebt mich ſo ſehr, daß ſie gar nicht beabſichtigt, mich zu ruiniren, wie es leider ſo vielen Fürſten und

Cavalieren heut zu Tage von habſüchtigen Tän⸗

erinnen und Actricen geſchehen iſt. Guiman iſt be⸗ beſcheiden, und iſt es ganz zufrieden, daß ich ihr für ihre Tafel nur hunderttauſend Francs, für ihre menus plaisirs nicht mehr als fünfzigtauſend Franes zahle.

Hunterttauſend Francs Tafelgelder, rief Clairon faſt erſtaunt.Und dieſe ungeheure Summe,

mit welcher man zehn ehrbare Jungfrauen aus⸗