Teil eines Werkes 
7. Theil, Bonners oder Geschichte eines Millionärs : 3. Band (1860)
Entstehung
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die Ausſagen Ihrer Schweſter hier zu Protokoll zu nehmen. Wann würde die Dame wohl am beſten im Stande ſein, uns zu empfangen?

In der Mittagsſtunde iſt ihr am wohlſten, und ich glaube, daß es dann am gelegenſten ſein würde.

Gut! Alſo in drei Stunden mme ich wie⸗ der. Leben Sie wohl bis dahin, mein Herr! Jch hoffe, Sie ſollen mit dem Reſultate unſerer Be⸗ mühungen zufrieden ſein.

Der Polizei⸗Beamte ging und Santoͤme war allein. Sinnend und von wechſelnden Empfindun⸗ gen bewegt, ſtand er da.

Sollte er den Dingen ſeinen Gang laſſen und ſchweigen von dem, was er eben vernommen? Dann würde Lenore frei, würde ohne ſeine Schuld ihr Gatte angeklagt, und zwar eines andern Ver⸗ brechens, und Lenore dürfte dann ſonder Scheu ihre Hand Dem reichen, der ſchuldlos an der Entdeckung deſſelben.

Aber war nicht die Schmach für ſie, die ſtolze, hochſinnige Lenore, dieſelbe, und hatte er ihr nicht gelobt, von ihrem Haupte Schmach und Schande abzuwenden?

Und war er nicht auch jetzt im Stande, dies zu thun? Liebte er ſie nicht heiß genug, um ihr jedes Opfer bringen zu können?

Sein Edelmuth kämpfte mit ſeinem Egoismus einen kurzen Kampf, und ſiegend ging der erſtere aus demſelben hervor.