ben möchte; er wollte nicht nur entweder unter den ſengenden Gluten der Sonne verbrennen, oder in trauriger Regennacht erkalten: er wollte neben der Leidenſchaft die Ruhe, neben der Auf⸗ regung den Frieden.
Er wollte nicht blos lieben mit dem Herzen, ſondern auch mit dem Geiſt und der Seele.
Die Frauen wiſſen nicht, wie oft ſie gerade durch das Uebermaß der Liebe ſich den Geliebten entfremden, wie oft ſie ihn von ihrer Seite ſcheu⸗ chen durch eine Leidenſchaft, die in ihrer ruheloſen Haſt ſo fern iſt von der wahren Heiterkeit des Genuſſes. Und hierin unterſcheidet ſich die Liebe des Mannes und des Weibes am beſtimmteſten. Das Weib will in der Liebe ſtets neue Aufre⸗ gungen, neue Gluten, neue Betheuerungen und Schwüre; den Mann verlangt es nach der Ruhe des Glückes, er will die Gluten nicht immer neu anfachen, ſondern ſich in friedlichem Genuß an ihrem Feuer laben, bei heißer Sonnenglut will er ausruhen im Schatten, und zugleich Kühlung empfangen.
Für Edgin ſchien die Ruhe der Liebe das höchſte Glück, und Iſabella hielt dieſe Sicherheit und Gewißheit ſeiner Liebe, die ihn nimmer nach neuen Betheuerungen verlangen ließ, für Gleich⸗ gültigkeit.
Sie konnte zu jeder Stunde aufs Neue ihn fragen, ob er ſie liebe, ob er auch ſtets ihrer ge⸗
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