aber ſchon der Gedanke, daß er ſie auf einige Stunden verlaſſen könnte, entlockte ihren Augen Thränen, und machte ſie traurig. Und,— ſo ſeltſam iſt die menſchliche Natur— gerade dies Uebermaß der Liebe, gerade dieſe Glut der Lei⸗ denſchaft war es, die Edgin von ſeinem jungen Weibe zurückſchreckte, und ihn allgemach gegen ſie erkältete. Anfangs wohl war es ihm ſüß, ihrem holden Liebesgeplauder zu lauſchen, der Muſik ihrer Stimme, die ihm ſo holde Liebesmelodien ſang, zu horchen; aber das ſtets wiederkehrende, das unveränderliche Thema war doch nur immer die Liebe, und die immer ſich erneuernden Va⸗ riationen dieſes Themas dünkten Edgin zuletzt fade und abgeſchmackt.
Iſabella konnte nur glückſelig oder traurig ſein,
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nur lächeln und jauchzen, weil er bei ihr war, oder weinen und ſeufzen, weil er ſie verlaſſe wollte; es fehlte ihr die Sättigung des Glückes, ſie war eine ſtets Dürſtende und Begehrende, eine nimmer Befriedigte. 8
Der Himmel ihrer Liebe war entweder ganz ſonnenklar, oder ganz umwölkt. Solcher Zuſtand aber iſt, was auch die Dichter von der Wonne, mit ſolcher Glut geliebt zu werden, ſagen und ſingen mögen, in der Wirklichkeit und Wahrheit unerträglich.
Edgin ſehnte ſich nach einem ſtillen, ſonnigen Tage, der ihm aber auch Schatten und Ruhe ge⸗
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