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und trocknete ſich die Augen.„Ja, das war eine traurige Geſchichte, eine ſehr traurige!“
„Weint nicht!“ ſagte Charles ungeduldig,„ſon⸗ dern erzählt mir ruhig und klar die ganze Sache. Ich muß ſie wiſſen, und Brigitte, ich baue auf Euch, daß Ihr mir die Wahrheit ſagt. Ihr waret die Amme meiner Mutter, waret ſtets in unſerm Hauſe, meine Mutter liebte Euch zärtlich. Ich vertraue Euch und erwarte, daß Ihr mir die un⸗
verfälſchte Wahrheit ſagt!“
„Das könnt Ihr, Sir Charles, das könnt Ihr! Ach die arme IJſabella! Sie war ſtets ein ſo liebes Kind geweſen! Immer heiter, im⸗ mer freundlich. Wie viel auch ihr Vater ſie ent⸗ behren ließ, wie manchen Abend ſie auch gleich mir nichts hatte, ihren Hunger zu ſtillen, als ein Stückchen trockenes Brod, dennoch klagte ſie nie⸗ mals, und wenn ich weinte, wenn ich ihr ſagte, daß ich fortgehen wolle, daß ich dies Leben nicht länger ertragen könnte, ach, wie ſie dann zu ſchmei⸗ cheln wußte! Und, Sir Charles, ich wäre auch doch nicht gegangen, Ihr wißt es, denn Ihr ſtan⸗ det ja dabei, als Eure ſterbende Mutter ihr neu⸗ vorenes Töchterlein in meine Arme legte, und i ihre Hand ihr ſchwören mußte, ihr Kind, s lang ich lebe, nicht zu verlaſſen,— dann legte ſie ihre Hand auf mein Haupt und ſegnete mich für dieſen Schwur, und dann ſtarb ſie!“
Brigitte konnte vor Thränen nicht weiter ſpre⸗


