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Aurelia kniete nieder neben dieſem ene⸗ ſie legte ihre Rechte auf daſſelbe, und ihre zuckenden Lippen ſprachen leiſe Gebete und feierliche Schwüre. Es war ein ſchauerlich ſchönes Bild, dieſes todesbleiche ſchöne Weib knieend vor dem aufgerichteten Dolche, das große flammende Auge gen Himmel gewandt, Racheſchwüre und Angſtgebete zugleich auf den bebenden Lippen. Wie Medea und Magdalena in Einer Perſon war ſie anzuſchauen, und die Qualen Beider fühlte ſie in ihrer Bruſt!
Der Dolch fiel ächzend mehr, nur ein Werkzeug verſtummten auf Aureliens Lipp glühende Eide der Rache.— Dann hob ſie den Dolch auf und legte ihn mit kalter, ruhiger Reſignation in das Käſtchen zu den Briefen, und ein grauſames Lä⸗ ſcheln ſpielte um ihren Mund, als ſie ſagte: Er ſandte mir Hernani's Waldhorn! Nun wohl, ich lege meinen Doolch dazu! Das ſoll ein guter Klang werden, wenn
die Beiden einſt gegen einander ſchlagen!
Dann drückte ſie den Deckel zu, mit feſter Miene, ganz entſchloſſen, ganz ſtark in ihren gefaßten Ent⸗ ſchlüſſen. Und jetzt, ſagte ſie, jetzt will ich leben und die Zukunft erwarten! Möge ſie mir Unheil und Schande bringen!
Druck von Otto Janke in Berlin.


