Und Emmy lag auf ihren Knieen, vor dem Bilde ihres Vaters, und flüſterte: Du haſt mir Kraft gege⸗ ben, meine Pflicht zu thun. Du wirſt auch nimmer mich verlaſſen, mein Vater, und dieſe Liebe zu Alfred, die nur einen Augenblick in meinem armen Herzen erkrankt iſt, Du wirſt ſie wieder geſunden laſſen, denn Dein Segen iſt mit mir, mein Vater!
Dann ſtand ſie auf, und trocknete ihre Augen, und ſagte gerührt: wie gut doch Alfred iſt! Wie zart und ſchonend war es, daß er mich ſo bald wieder verließ, weil er fühlte, daß ich des Alleinſeins bedurfte! Oh gewiß, ich werde es wieder lernen, ihn zu lieben! Er iſt ſo gut, ſo liebevoll!
Da tönte in der Ferne ein heller, rufender Glocken⸗ klang. Emmy ſchrack zuſammen, und ihre Wangen färbten ſich höher, und ſie ſagte ganz freudig: Gott ruft mich zu ſich! Ich ſoll ihm dienen, und meine geheimſten, tief innerſten Gedanken, die ſoll ich heute vor ihm enthüllen in feierlicher Beichte!
Sie nahm den Roſenkranz und das Gebetbuch, und grüßte das Bild ihres Vaters mit freundlichem Neigen des Kopfes.— Dann ging ſie voll heiliger und ernſter Gedanken nach der Hauskapelle zur feier⸗ lichen Meſſe.— Langſam ſchritt ſie über den Corridor dahin, und wie ſie ſich jetzt der heiligen Stätte nä⸗ herte, wie der Weihrauch ihr entgegenduftete, und die kleine, in der Kapelle aufgeſtellte Orgel ſie zu rufen ſchien, da fühlte Emmy ſich wie gehoben und getragen von freudiger Gottesbegeiſterung, und ihr Auge leuch⸗ tete mit einem himmliſchen Glanze.
So trat ſie in die Kapelle, und Ruhe und Friede zog ein in ihr Herz, als ſie mit gläubigem, frommen Gemüthe das Auge emporhob zum Muttergottesbilde, das dort drüben über dem Hochaltar hing.—
Es war ein anmuthiger, mit Geſchmack und Sin⸗


