Teil eines Werkes 
2. Theil (1860)
Entstehung
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Als Auguſte ſie verlaſſen, ging Emmy haſtig und unruhvoll auf und ab. Sie legte die Hand auf ihr Herz, als wolle ſie deſſen unruhiges Klopfen beſchwich⸗ tigen, ſie ſeufzte hoch auf aus tiefbeklemmter Bruſt. Dann blieb ſie vor dem Bilde ihres Vaters ſtehen, und blickte lange in dies ehrwürdige, geliebte Angeſicht. Du, mein Vater, flüſterte ſie leiſe, Du haſt mir ge⸗ boten, dieſes Mannes Gattin zu werden, oh, gieb Du mir auch den Muth, Dir gehorſam zu ſein!

Eben trat Alfred herein, und als er ſie vor ihres Vaters Bilde ſah, meinte er ganz ihre rothgeweinten Augen und ihr ſchmerzvolles Lächeln zu verſtehen, und es befremdete ihn nicht, daß ſie ihn ſo trübe und be⸗ klommen begrüßte.

Er küßte ihre Hand, ſie drückte herzlich die ſeine, und doch wünſchten ſie ſich Beide weit von einander getrennt, und wenn auch vielleicht dieſer Wunſch noch nicht in ihnen zur Klarheit gekommen, ſo fühlten ſie Beide doch ſchon, daß ſie ihre Nähe ſich gegenſeitig nicht mehr erſehnten.

Sie fragte theilnahmsvoll, weshalb ſein Antlitz ſo bleich und ermattet ſei, ob er ſich unwohl fühle.

Er ſchalt ſie liebevoll um ihre gerötheten Augen, und ermahnte ſie, ſich den ſchmerzlichen Erinnerungen an den Geſtorbenen nicht allzuheftig zu überlaſſen. Aber Beide hörten ſie kaum ihre leiſen, ausweichenden Antworten, Beide waren ſie zu ſehr mit ſich ſelber be⸗ ſchäftigt, Beiden nahm das Klopfen des eigenen Her⸗ zens den feinen Sinn, das ſtürmiſche Klopfen des an⸗ dern Herzens zu hören, und als Alfred ſeine Braut, nach kurzem Beiſammenſein, verließ, und er wieder auf die Straße hinaustrat, ſagte er ganz erleichtert und freudig: ich habe meine Pflicht gethan, wie Julia es gewollt, und meine Braut kann nicht ahnen, wie dank⸗ bar ich ihr bin, daß ſie mich heute freigegeben.