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umdüſtert,— Emmy wußte es nicht, denn ſie ſchaute noch immer die Sonne, und deshalb merkte ſie es nicht, daß rings umher ſich Alles getrübt hatte. Auch die Baronin ward keine Veränderung gewahr; zu ſehr mit ihren eigenen großen Planen, zu ſehr mit ihrer Frömmigkeit beſchäftigt, blieb ihr keine Zeit auf die erbleichenden Wangen, auf das ſchmerzliche Lächeln ihrer Tochter zu achten, und wenn Gotthold zuweilen mit einem ſchlauen, geheimnißvollen Blick ſie darauf aufmerkſam machte, ſagte die Baronin: laſſen Sie doch dieſem jungen Herzen die phantaſtiſche Schwärmerei, welche ſie ſicherer an ihren Glauben feſſelt, als alle unſere Bemühungen. Sie wird ſchon zur rechten Zeit ſich ſelber klar werden, und dann ſelber wünſchen, bald ihres Verlobten Gattin zu werden!
Lieblich war ſie immer, obwohl bleich und trübe, und wenn ſie mit geſenktem Haupte langſam und ſin⸗ nend einherſchlich, da mochte man ſie einem Schnee⸗ glöckchen vergleichen, ſo hold und zart und unſchulds⸗ voll war ſie anzuſchauen.
Es war Morgen. Ein ſtiller, ſchöner Wintermorgen. Der Schnee glitzerte mit Diamantengefunkel im Son⸗ nenſchein, und mit hellem Glockengeläute fuhren zier⸗ liche Schlitten vorüber.— Emmy ſtand am Fenſter. Sie ſchaute auf die phantaſtiſchen Blumen, welche die Nachtkälte auf die Scheiben gemalt, und die allgemach unter den Strahlen der Sonne zu zerſchmelzen und zu ſchwinden begannen.
„So, ſagte ſie mit einem leiſen Seufzer, ſo iſt es mit unſern Freuden und Wünſchen. Kaum in unſer Herz gezeichnet, werden ſie von unſern eigenen Thrä⸗ nen wieder verwiſcht!
Aber der frühere Muthwille regte ſich noch zuwei⸗
len in ihr mit mattem Flügelſchlag; ſie mußte jetzt lächeln über die ſchwärmeriſche Sentenz, die ſie eben 2*†


