Emmy und ihr Beichtvater.
In dem großen und prächtigen Hotel der Baronin von Elsleben, in dieſem Hotel, das ganz durchduftet war von den Weihrauchwolken der Frömmigkeit, da gab es mindeſtens ein ſtilles Gemach, in das ſich die Wahrheit und Einfalt, die Unſchuld und Natur ge⸗ flüchtet hatte, und deſſen reine Luft noch nicht inficirt worden von den frommen Nebeln, in welche die Ba⸗ ronin ſich zu hüllen pflegte.— In dieſem Gemach athmete Alles Stille und Jungfräulichkeit; man ſah es an dieſen Blumen, dieſen Vögeln, an der Harfe, die neben dem Flügel lehnte, an der Stickerei, die in dem zierlichen Arbeitskörbchen lag, man ſah es an der ganzen ſinnigen und geſchmackvollen Einrichtung dieſes kleinen Gemaches, daß ein junges Mädchen daſſelbe bewohnte, und ferne von allem Geräuſch und allen Wirren des Lebens, hier ſich ſüßen Träumereien und
lAieblicher Beſchäftigung überlaſſen mochte.—
In dieſem Zimmer wohnte Emmy, die Tochter der Baronin, und die ſorgſame Mutter hatte mit zutem Bedacht ihrer Tochter dieſes kleine abgelegene
emach ausgewählt, damit weder das Geräuſch der
großen Welt, noch auch die heiligen Klänge aus den II. 1 2 5


