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„Lebt wohl!“ flüſterte Antonio leiſe, indem er ſich von ſeinen Knien erhob.
Der Fürſt, ſeinem eignen Herzen nachgebend, breitete ſeine Arme aus, und rief:„Komm an mein Herz, mein Sohn! Laß mich zum Abſchied Dich an meine Bruſt drücken!“
Und Antonio ſtürzte ſich mit einem Ausruf des Entzückens in die geöffneten Arme, und klam⸗ merte ſich feſt an die hohe Geſtalt des Fürſten.
„O könnte ich mit Dir gehen,“ ſagte der Fürſt leiſe,„könnte ich wie Du eine Welt fliehen, die ich verachte! Aber es darf nicht ſein! Der geringſte meiner Unterthanen iſt freier wie der Fürſt. Ich muß bleiben. So lebe denn wohl,
mein Antonio, und der Segen Gottes ſei mit
Dir!“
Sanft drängte er den Jüngling aus ſeinen Armen.„Lebet wohl,“ hauchte Antonio, und verließ eilends das Gemach.
Der Fürſt blickte ihm nach mit ſchmerzvollen Mienen, und als in der Ferne die enteilenden Schritte Antonio's verklungen waren, ſagte er leiſe zu ſich ſelbſt:„Er iſt fort! Meine Angen werden nicht mehr in ſein friſches, unſchuldiges Antlitz ſehen, und mein Herz wird ſich nicht mehr ſtärken an ſeinem fröhlichen, kindlichen Lachen! Nun, es ſei! Das Leben eines Fürſten iſt eine fortlaufende Kette von Entbehrungen, ich darf ſie
nicht durchbrechen. Es war mir vergönnt, einen
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