Teil eines Werkes 
4. Theil (1860) Antonio : eine italiensische Geschichte / von L. Mühlbach
Entstehung
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ſeiner neuen Bahn und dann ſchien der Weg ihm* leicht und geebnet.

Die Natur hatte ſeine Seele wie einen Acker beſtellt, daß die nun hineingeſtreute Saat keimen

und zur Blüthe aufgehen konnte, und die Sonne des Willens beſtrahlte dieſe Blüthe, daß ſie mit Rieſenkraft emporſchoß und Früchte des Erken: 4 nens trug.

Antonio lernte in zwei Stunden, was Andere in vielen Wochen, und wenn er dann wieder als G Hirte mit ſeinen Kühen hinauszog in den Wald, ſo begleiteten ihn doch ſeine Gedanken und es war ihm, als ob das Anſchauen der Natur erſt das, was er gelernt, in ihm zur Reife brächte und zum Gedeihen.

Tief im Walde, inmitten der Stille und Ein⸗ ſamkeit und dem Frieden der Natur, hatte An⸗ tonio ſein Lieblingsplätzchen. Da war es ſo heim⸗ lich und ſtill, ſo verſchwiegen 29 lauſchig. Eine

kleine blumige Wieſe lag im Gonnenſchein vor ihm ausgebreitet, und auf dieſer Weideten in guter Ruhe ſeine Kühe. Antonio hatte nicht nöthig ſie zu bewachen, ſie entfernten ſich nicht von, dem Platze, wo ſie ſo reichliches Futter fanden. Er konnte ſich alſo wieder mit ſeinen Büchern beſchäftigen, konnte dort unter ſeine Lieblingseiche ſich lagern und ſeine Gedanken und Träume frei in ſich wal⸗ ten laſſen. 3 Und war nicht dieſe Eiche ſeine Vertraute, ſeine