Teil eines Werkes 
4. Theil (1860) Antonio : eine italiensische Geschichte / von L. Mühlbach
Entstehung
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um mich ſchauen, wenn ich nicht weiß, was ich ſchaue?

Wunderbare Fragen! murmelte Abt Chri⸗ ſtino und fragte dann laut:Wie kommen Dir aber nur dieſe Gedanken, Antonio?

Die Natur hat ſie mich gelehrt, erwiederte der Jüngling ernſt;die Blumen und die Gräſer, die Wolken und die Winde, das Rauſchen in den Bäumen und das Murmeln der Quelle, der fun⸗ kelnde Johanniskäfer und der leuchtende Stern am Himmel, alle dieſe haben zu mir geſprochen und haben geſagt:es ſteckt Weisheit in uns und gött⸗ liche Offenbarung, und der Menſch iſt geſchaffen, daß er ſich an uns bilde und von uns lerne. Der Menſch iſt geſchaffen, unſe Geheimniſſe zu er⸗ gründen und unſere Geſetze zu erforſchen, und nicht genügt es, daß er anſchauet unſere Schönheit und lobſinget unſerer Pracht, Gott will, daß der Menſch unſere Schönheit auch erkenne und unſere Pracht

verſtehe. Das Wiſſen ſoll ihm die Natur verkläaea

ren, und wenn er den Bau der Blumen kennt und die innere Geſtaltung des Grashalms, wenn er

den Lauf der Sterne und das Blinken des Käfers 6

erforſcht hat, wenn er weiß, warum die Winde wehen und die Wolken am Himmel ſich aufthür⸗

men, wenn alle dieſe Wunder ſich ihm erklären und offenbaren und er ſie alle verſteht, dann wird der Menſch mit lautem Lobgeſang auf ſeine Knie allen und Gott anbeten in ſeiner Herrlichkeit, denn