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„Sancta Maria!“ lispelte Anſelmo und ſchlug ein frommes Kreuz,„wie könnt Ihr nur ſo un⸗ heilige Worte reden, ſo nahe dem heiligen Hauſe! Aber ſtill, Abt Chriſtino redet ihn an.“
„Ich komme, ehrwürdiger Vater,“ erwiederte Antonio ſoeben auf die Frage des Abtes, was er begehre,„ich komme, um den Patron zu fra⸗ gen, ob Sie mit mir zufrieden ſind?
„Gewiß,“ erwiederte Chriſtino;„Du warſt ſechs Jahr im Kloſter und noch nie hat man eine Klage über Dich gehört.“
Antonio's Mund umzog ein freudiges Lächeln, dann ſagte er:„Und wollt Ihr, daß ich Euch noch länger dienen ſoll?“
Der Abt nickte belahend, und Antonio fuhr fort:„Ich will es thun, aber Ihr müßt mir da⸗ für eine Bedingung erfüllen. Ich habe ſechs Jahre in Eurem Kloſter gelebt, habe die Kühe auf die Weide getrieben, in der Küche gearbeitet und Eure Zellen geſäubert; das genügte, als ich ein Knabe war, jetzt aber, da ich ein Mann werde, fühle ich, daß das dem Manne nicht genügt. Wozu hat mich Gott als Menſch geſchaffen, wenn ich doch unwiſſend bin, wie das Thier des Waldes?
ozu gab mir der himmliſche Vater einen menſch⸗ lichen Geiſt, wenn ich ihn ſchlummern laſſe in mir ſelber? Wozu beſitze ich die Kraft zu denken,
wenn meine Seele keine Gedanken hat, ach, und
wozu kann ich mein Haupt emporrichten und . 2


