— 229—
mern. Der breite See ſo unvergleichlich in ſeinem wundervollen Farbenſpiel, verlor ſich jenſeits unter dem Duft der ſavoyſchen Berge, die als gewaltige dunkelblaue Maſſen einen ſo grellen Gegenſatz zu dem heiteren Weingeſtade des Waadtlandes bilden. Tief im Süden, wo die Berge ſich weit öffnen, ſchimmerten die weißen Mauern Genfs; von der Höhe der Terraſſe aber konnte man die langen Wald⸗ ketten der Jura verfolgen, deren rieſenhafte Köpfe von langflatternden Nebelſchleiern umwunden waren.
In dies kleine Landhaus hatte ſich Lornſen, als in ſein letztes Aſyl, gerettet. Es war Herbſt gewor⸗
den, das Weinlaub falbte, Kaſtanien und Nüſſe hin⸗
gen reif an den hohen Bäumen, aber noch immer war das Wetter mild und heiter. In einen Mantel leicht gehüllt, ſaß der Kranke vor der Halle, zurück⸗ gelehnt in einem hohen Seſſel. Auf einem Tiſchchen vor ihm lagen mehrere Bücher, Schriften und Briefe, er aber hielt ſeine Augen auf das entzückende Pa⸗ norama des Sees gerichtet, das überall ſich ſeinen
Blicken darbot.
Lornſen war nicht allein. Ein Freund aus Lau⸗ ſanne war bei ihm, dem das kleine Landhaus ge⸗ hörte, und auf deſſen Einladung und Wunſch er davon Beſitz genommen hatte. Herr Lepreux war Arzt. Er


