Teil eines Werkes 
2. Theil (1858)
Entstehung
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die Waſſer hin und ſchüttelte die Pinien an der Baſtide. Die dunkelrothen Blüthen der Granaten ſtreuten ihre duftigen Blätter auf ſie und unter dem Alttan rollte das Meer melancholiſch ſeufzend hin und ſpritzte glänzende Funken in die Nacht.

Lina hatte ihre Hand in Lornſens Hände gelegt. Der röthliche Abendſchatten fiel auf ſein Geſicht und deckte deſſen leidensvolle Bläſſe zu. Sein Auge glänzte wieder; ſeine frohe, klare Stirn hob ſich ſtolz zu ihr empor, ſeine Bruſt athmete tief und voll. Er blickte ſie an und ein Zittern lief über ſie hin; es leuchtete die alte Liebe darin auf. Ein himm⸗ liſcher Traum flog durch ihre Seele, und während ſie träumte, legte ſie den Kopf an ſeine Schulter; ein Strom erinnerungsvollen Glückes überwältigte alles Weh der Wahrheit.

So ſaß ich mit Dir einſt auf der armen kleinen Hallig, flüſterte ſie, im Nebel der Nacht, von Nie⸗ manden geſehen; aber mein Auge ſah Dich, mein Arm fand Dich, Deine Lippen hatten Liebesworte und Küſſe für mich. O! theurer, theurer Freund, wer bringt uns das Verlorne zurück, wer eine Stunde, eine Minute, Jens! Giebt es nichts mehr, keinen Gott, keinen Himmel, keine Ewigkeit, die uns Troſt brächten?!